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Kulturkreis Erftstadt e.V.
   

Mehr Bretto vom Nutto - Hans Gerzlich

Freitag, 4. Mai 20.00 Uhr

Aula Gottfried-Kinkel-Realschule, Erftstadt-Liblar

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Orgel Konzert - Anna-Victoria Baltrusch

Samstag, 19. Mai 19.00 Uhr

Kirche St. Kilian , Erftstadt-Lechenich

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"Duo Saitenschlag" Karoline Kunst u. Simon Etzold

Sonntag 24.Juni 2012 19.00 Uhr

Burg Konradsheim, Erftstadt-Konradsheim

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seitenschlag

 
Vernetzt denken PDF Drucken E-Mail

Die hier geäußerten Gedanken sind leider nicht überholt.


Ingo Fessmann, in Süddeutsche Zeitung - 15.06.1997 (!)

Vernetzt denken - Die deutsche Wirtschaft setzt auf Kultur

Der Verfasser bespricht das Buch:

Kulturförderung in gemeinsamer Verantwortung. Die Krise überwinden

Hrg. Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI (Grünbuch des Aktionskreis Kultur) ARCult Media, 1996


Dass die Kulturpolitik mehr noch als die Bildungs- oder die Sozialpolitik permanenter Begründung und Rechtfertigung bedarf, gehört nicht erst seit den siebziger Jahren zum argumentativen Stammvokabular der in Kunst und Kultur tätigen Personen und Einrichtungen.


Sicher zählen Kunst und Kultur (jedenfalls in Deutschland) zu den Grundbestandteilen staatlicher Förderung; und trotz rundum leerer öffentlicher Kassen wird dies, ein Glück, auch nirgends in Frage gestellt. Unübersehbar jedoch, dass der Kulturbereich in Zeiten knapper öffentlicher Mittel überproportional Einbußen hinnehmen muss, weil die Kulturpolitik ganz offensichtlich, was den Wettstreit mit anderen Politikfeldern betrifft, Überzeugungsdefizite hat.


Selbst im „Kulturstaat Deutschland“, wo Länder und Gemeinden Hauptträger der Kunst und Kultureinrichtungen sind, nimmt die Kulturpolitik nicht mehr als eine Außenseiter- und Nebenrolle ein. Kunst und Kultur gelten im öffentlichen Bewusstsein noch immer als etwas „Besonderes“, „Zusätzliches“ – und letztendlich Entbehrliches. Sie verkörpern unter den elementaren Bedürfnissen des Gemeinwesens nur das „Salz“, nicht das Getreide oder das Brot der zu verteilenden Güter. Das vorliegende „Grünbuch“ des Aktionskreises Kultur der deutschen Wirtschaft stellt den bemerkenswerten Versuch dar, solchen Bewusstseinsstand zu verändern, das heißt mit neuer Sichtweise und dementsprechend neuen Argumenten die Notwendigkeit unserer Kulturförderung zu begründen.


Jahrelang konzentrierte sich die Kulturpolitik darauf, die (weithin verkannte) ökonomische Potenz von Kunst und Kultur herauszustellen und zu beweisen: ihr wirtschaftliches Produktionsvolumen (das größer ist als das von Landwirtschaft und Textilindustrie zusammen), ihre Bedeutung als Arbeits- und Beschäftigungselement, die weitreichenden Wirkungen, die Kunst und Kultur nicht zuletzt auch für städtebauliche und unternehmerische Standortentscheidungen haben können. Die Verfasser des „Grünbuchs“ gehen von der ökonomischen Beweisführung nicht etwa ab – erfrischend ist vielmehr ihr Ansatz, daneben verstärkt auch inhaltlich zu argumentieren. Sie stellen einen Zusammenhang her zu der allgemeinen, rundum geführten Debatte über die Grenzen unserer Leistungsgesellschaft.


Kunst und Kultur, so die These, kommt in dem tiefgreifenden Strukturwandel, den wir technologisch, wirtschaftlich und durchaus auch gesellschaftlich derzeit erfahren, eine positive, förderliche Rolle zu. Einerseits, weil man darin Phantasie und Kreativität und somit vernetztes Denken und Handeln lernen kann. Zum anderen, weil dort ästhetische wie moralische Werte vermittelt werden, der die Gesellschaft, mögen sie auch noch so sehr in Frage gestellt sein, weiterhin bedarf.


„Keine Gesellschaft kann auf die Dauer allein auf die wirtschaftlichen Erfolg setzen und die kulturellen Kräfte – von der Grundlagenforschung bis zur Kunst, von der Mitmenschlichkeit bis zur Ethik – vernachlässigen. Das sind autonome Kräfte, die zunächst keinen kalkulierbaren Nutzen haben“ – und die doch unersetzlich sind, die Wirtschaft und Gesellschaft, sollen sie funktionieren, elementar brauchen. „Ein universales Ordnungssystem, das den Wert des Menschen auf seine ökonomische Leistung reduziert und das alles Denken und Handeln an der kommerziellen Verwertbarkeit misst, würde sich bald erschöpfen.“ Ich zitiere weiter: „Schon Wilhelm Röpke, einer der Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft hat dargelegt, dass der Markt zu seinem Funktionieren auf kulturelle und moralische Kräfte angewiesen ist, die er selbst nicht produzieren, sondern die er voraussetzt und verbraucht.“ Solche Überlegungen aus den Reihen der Wirtschaft zu vernehmen, ist gewiss ungewöhnlich. Das „Grünbuch“ setzt damit neue Akzente für unsere kulturpolitische Debatte.