Auf den Spuren von Theodor Fontane und der Romantik zur Museums-Metropole und der Nofretete
Havelland, Berliner Schatztruhen und Spree-Land
Das war das Thema unserer Reise.
All das haben wir sehen und erleben dürfen , im schönsten Sonnenschein !
Reisetagebuch
Freitag, 23.04.2010
Schon morgens um 6.15 Uhr vom Bahnhof Erftstadt geht es los. Verabschiedet wurden wir ganz lieb von Herrn Küstner und Frau Hendel, die mit einem kleinen Überlebensgebäck-Päckchen für unser Wohl sorgten (Beide waren sicher lange nicht mehr so früh am Bahnhof!). In Köln angekommen steht unser ICE bereit. Schon im Zug war eine gute Stimmung, alle waren neugierig auf das hochkarätige Programm.
Ankunft in Berlin um 11.08 Uhr; der neue Bahnhof ist schon sehenswert und die Sonne scheint. Unser Reiseführer holt uns ab und wir fahren ganz bequem mit dem Taxi ins Hotel Angleterre****, was ideal liegt und zwar an der Friedrichstraße; um die Ecke liegt das Regierungsviertel, Brandenburger-Tor , Jüdisches Museum usw. ...
Nach dem Einchecken im Hotel und einer kleinen Händewasch-Pause gehen wir im Sonnenschein erst einmal zu Schinkel in das Nikolei-Viertel, in die Wiege Berlins seit 1237.
Hier haben so berühmte Persönlichkeiten wie Heinrich Zille, Gotthold Ephraim Lessing und Claire Waldorf gewohnt sowie Friedrich Schinkel, der uns auf dieser Reise noch oft begegnen wird. Wir sehen den Rekonstruktionsversuch von Schinkels Bauakademie und das Gebiet des ehemaligen Berliner Schlosses.
Aber auch die beeindruckenden Gebäude von heute lassen wir nicht außer Acht.
Bei einem ersten Spaziergang sehen wir den Potsdamer Platz mit dem Sony-Center oder die Philharmonie, das weltberühmte Stammhaus der Berliner Philharmoniker, und staunen, was Berlin alles so zu bieten hat.
Voller Eindrücke, was Schinkel und Co in Berlin alles gebaut hat, treffen wir uns zum Abendessen im Hotel, das Bufett ist eröffnet und bei einem guten Glas Wein lassen wir den ersten Tag in netter Runde ausklingen.
Sonnabend, 24.04.2010
Nach einem sehr guten Frühstück treten wir um 9 Uhr (wie sagte noch eine nette Dame: „Wer was erleben will, muss früh aufstehen.“) die „Zeitreise“ an. Sie führte uns von der Ära des Biedermeier und der Romantik in die wilhelminische Kaiserzeit. Das erste Highlight ließ nicht lange auf sich warten: das historischen Stadtgericht. Im Inneren begegnen wir einer märchenschlossartigen Atmosphäre. Besonders sehenswert sind seine Treppenhäuser, die durch ihre geschwungenen Formen sehr stark von der Wiener Sezessionsarchitektur beeinflusst wurden. Jugendstil an der Spree…! Weiter geht’s zum nächsten Geheimtipp. In unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses Charlottenburg liegt das Bröhan –Museum, ein kleines feines Museum für Jugendstil und Art-Deco. Eine nette Dame führt uns in die Welt des Jugendstils, des Art Deco und des Funktionalismus ein. Sammlungs-Schwerpunkte sind Arbeiten des französischen und belgischen Art Nouveau, des deutschen und skandinavi- schen Jugendstils sowie Ensembles des französischen Art Deco.
Das Bröhan-Museum trägt den Namen seines Gründers Karl H. Bröhan, der anlässlich seines 60. Geburtstages seine Privatsammlung der Stadt Berlin schenkte.
Diese Menschen braucht das Land.
Und immer noch scheint die Sonne, sodass wir in dem weitläufigen Park von Schloss Charlottenburg und in der Orangerie des Schlosses Mittag machen.
Wunderschön !!!!!
Nun machen wir den Weg zum Ziel, besuchen den Dorotheenstädtischen Friedhof, einem „aufgeschlagenen Kulturgeschichtsbuch“. Hier sehen wir u.a. die Gräber von Schinkel, C.D. Rauch, Fichte und Litfass. Wir gehen anschließend bei den „Hackeschen Höfen“ vorbei, sehen die „Friedrichswerdersche Kirche“ - wieder ein Schinkel-Bauwerk, den „Hamburger Bahnhof“, und vieles mehr.
Und da liegt sie, die Museumsinsel, beeindruckend schön. Zwischen Spree und Kupfergraben bildet sie mit ihren fünf Gebäuden „Altes Museum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum und Pergamonmuseum“ ein unvergleichliches, historisch gewachsenes Ensemble der Museums- und Kulturgeschichte, das 1999 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde.
Alle sind gespannt auf Nofretete und auf das „Neue Museum“, das erst 2009 wieder eröffnet wurde. Unsere Führung beginnt auch gleich. Alleine das Museum als Gebäude ist schon eine Reise wert. Die Präsentation der Nofretete wird zelebriert und dies in vollendeter Form. Geheimnisvoll und schön!!!!
Zum Abendessen sind wir heute in Kreuzberg (im Jalesch) in einem angesagten (um es in Neudeutsch auszudrücken); Hippen-Restaurant). Hier werden wir mit einer sehr guten Österreichischen Küche verwöhnt, die beste außerhalb Österreichs, was auch ich so empfunden habe. In sehr fröhlicher Runde wird so manches Anekdötchen zum Besten gegeben.
Sonntag, 25.04.2010
Heute geht es ins Havelland und Spree-Land.
Als wir nach dem Frühstück unseren Bus betreten, staunen wir nicht schlecht, wir haben einen riesigen Bus, in dem jeder für sich eine Menge Raum zu Verfügung hat. Nun fahren wir Richtung Havelland und immer noch scheint die Sonne, es ist herrlich warm.
Der Weg führt uns am Tiergarten vorbei, mit den prächtigen Villen und Botschaften in Richtung Paretz. Das idyllische Dorf liegt 20 km nördlich von Potsdam an der Havel, eingebettet in eine malerische Landschaft. 1197 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, erwarb der preußische Kronprinz Friedrich Wilhlem III.(1770 - 1840) das Gut Paretz. Schloss Paretz war der Lieblingsaufenthaltsort des preußischen Königspaares Luise und Friedrich Wilhelm III.. Angekommen sind wir überrascht, wir hatten ein Schloss erwartet und finden - auf den ersten Blick betrachtet - „nur ein Landgut vor“.
Die Erklärung erhalten wir bei einer sehr guten Führung.
Von dem bedeutenden Landbaumeister David Gilly und seinem Sohn Friedrich ließ Friedrich Wilhelm III. das Gutshaus zu einem einfachen Landschloss, die mittelalterliche Kirche neugotisch und das gesamt Dorf in früh-klassizistischem Stil umgestalten. Es entstand ein Musterbeispiel preußischer Landbaukunst.
Die bestechend schlichte Eleganz der Schloss-, Wohn- und Stallgebäude, die sich harmonisch in die natürliche Umgebung der weiten Havelniederung einfügen, sind nicht zuletzt das Ergebnis einer bemerkenswerten Vorgabe von höchster Stelle: „Immer dran denken, das Sie für einen armen Gutsherren bauen“, hatte König Friedrich Wilhelm III. seinen Baumeister David Gilly ermahnt. Das Schloss schmückt sich im Inneren sehr wohl mit kostbaren einmaligen Papiertapeten, die einen verwunschenen Garten aus Papier mit exotischen Vögeln, Blüten-Ranken und Staffagen darstellen.

Unser nächstes Ziel ist Potsdam. Hier machen wir eine Mittagspause und genießen das quirlige Leben auf der Brandenburger Straße, die zum Brandenburger Tor führt.
Auch Potsdam hat ein eigenes „Brandenburger Tor“.
Und weiter fahren wir durch das schöne Havelland bei Sonnenschein und sehen überall weiße Segel auf der Havel. Alle, die ein Boot haben, scheinen heute wohl unterwegs zu sein.
Unser nächstes Ziel ist die Heilandskirche in Sacrow. Wie ein vor Anker gegangenes Schiff liegt die 1843/44 von Ludwig Persius (1803 - 1845) im Auftrag Friedrich Wilhelm IV. erbaute Heilandskirche malerisch am Havelufer. Der rechteckige Saalbau wird von Rundbogen-Arkadenhallen auf Sandsteinsäulen umgeben, die eine dreischiffige Basilika suggerieren. Daneben ragt der völlig freistehende Campanile empor. Das monumentale Apsisgemälde mit der Darstellung „Christus und die vier Evangelisten“ wurde nach dem Entwurf von Carl Begas (1794 - 1854) von Adolf Eybel (1808 - 1882) in Freskotechnik gemalt. Jakob Albery (1811 - 1870) schuf die Lindenholz- Statuetten der zwölf Apostel. Es ist ein beeindruckendes Gotteshaus, das heute durch seine romantische Lage sehr gerne als Hochzeitskirche genutzt wird.
Und weiter geht’s zum Schlosspark von Klein-Glienecke, wo wir einen Stopp einlegen und durch den Schlosspark geführt werden. Hier erfahren wir, dass man zu Kaiserszeiten in der besseren Gesellschaft keinen Blumenstrauß mitbrachte,wenn man zu Kaffee und Kuchen eingeladen wurde. Nein, man schenkte (ein?)Fragment(e) (wie auf dem Foto zu sehen – auf welchem Foto?), was dann an die Hauswand angebracht wurde, um zu bekunden, dass man weit gereist war.Einige Damen sind sich einig, wir verzichten in Zukunft auch auf Blumen.
Und nun zu einem weiteren Highlight: wir sind eingeladen in die Villa Liebermann am Wannsee. Dort angekommen, erfahren wir, dass just heute der 100. Geburtstag der Liebermann-Villa begangen wird. Es ist eine Augenweide, dieses Refugium, das sich Max Liebermann 1909 bauen ließ und selber feststellte: „Das ist mein Schloss am See“. Es ist zwar kein Schloss, aber es hat die Aura eines ganz besonderen Gebäudes. Von der reizenden Dame, die uns durch das Anwesen führte, erfahren wir noch einige Details, die ich nicht verheimlichen möchte.
Max Liebermann (1847 - 1935) gilt durch sein Werk und seine kunstpolitische Tätigkeit als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Malerei. Als junger Maler kämpft er vehement gegen den erstarrten Akademismus. Als Mitbegründer und Vorsitzender der Berliner Sezession ließ er die Hauptstadt aus ihrem künstlerischen Dornröschenschlaf erwachen. Während seiner Amtszeit als Präsident der Preußischen Akademie der Künste (1920 - 1933) verschaffte er der jüngeren Künstlergeneration Raum für neue Entwicklungen, auch wenn er diese selber nicht immer zu schätzen wusste. 1927 wurde Liebermann Ehrenbürger seiner Heimatstadt Berlin.
Mit dem Bau der Villa betraute Liebermann den Architekten Paul Otto Baumgarten, der dem Haus eine klassizistische Prägung verlieh. An der Gartengestaltung nahm der Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark, der ein begeisterter Gartenformer war, entscheidenden Anteil. Liebermann und Lichtwark gestalteten auf dem Grundstück ein Arrangement unterschiedlicher Gartenräume: einen Bauerngarten mit üppigen blühenden Stauden, einen Nutzgarten, eine Blumenterrasse, drei Heckengärten, die als architektonischer Höhepunkt hervorzuheben sind, und eine große sich bis an das Ufer des Wannsees erstreckende Rasenfläche. In der Verbindung von klassizistischer Villenarchitektur und Gartenkunst erschuf sich Liebermann ein einmaliges Ensemble, ein blühendes Arkadien im Süden von Berlin.
Wir hatten das einmalige Erlebnis, dass wir am Ort der Entstehung der Gemälde von Liebermann und in unmittelbarer Nähe zu seinen Motiven im Sonnenschein im Garten wandeln konnten. Es war uns, als wäre man in ein Gemälde von Liebermann eingetaucht. Die berühmten Birken hier, die Gartenparterre dort und auf dem Wannsee Boote mit weißen Segeln. Schon eine ganz besondere Atmosphäre! Im Haus selber konnte man in den oberen Etagen die Gemälde des Künstlers bewundern: mein persönliches Highlight! Es war schwer, sich davon zu trennen.
Zurück in Berlin gingen wir zum Abendessen ins Restaurant „Mutter Hoppe“, einem typisch Berlinerischen Lokal im Nikolei-Viertel. Mit Havelzanderfilet in Butter gebraten waren wir wieder im Thema und bestens bedient. Urig, Berlinerisch, wa!!!
Montag, 26.04.2010
Heute durften wir einmal ausschlafen, da wir den heutigen Tag ganz nach Lust und Laune (- wie es heißt - zur freien Verfügung hatte) verbringen konnten. So verabredeten sich kleine Gruppen und gingen zu den Stelen, eine andere Gruppe ging ins Regierungsviertel und wollte bei diesem schönen Wetter die Aussicht aus der Glaskuppel des Reichstages genießen, oder man fuhr mit dem Boot auf der Spree entlang oder ging ins KADEWE. Irgendwo traf man sich wieder. So gegen 15 Uhr, als wir uns aus allen Richtungen ins Hotel begaben, verschwand auch die Sonne und es regnete ganz leise. Was hatte das wohl zu bedeuten? Ja, wir sind auch ein wenig traurig, dass die Zeit schon vorbei ist.
Wir werden wieder mit dem Taxi zum Bahnhof gefahren und haben noch ein wenig
Zeit, uns den Bahnhof etwas näher anzuschauen.
Dann saßen wir im ICE Richtung Erftstadt und ließen die Besuchstage noch einmal im Geiste an uns vorüber ziehen.
Ich freue mich, dass wir eine so schöne Gruppe waren und möchte mich bei allen Teilnehmern noch einmal ganz herzlich bedanken.
Ihre Rita Frings



|